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VORTRAG: Prof. Dr. Albert Newen: Wer bin ich? – Transformationen des Ich und Erinnerungen an Entgrenzungserfahrungen

Donnerstag, 25. April 2024, 19 Uhr

19-19:30 UHR FÜHRUNG
mit der Kuratorin Rebekka Seubert 

19:30-21 UHR VORTRAG
Prof. Dr. Albert Newen (Professor Philosophie des Geistes, Ruhr-Universität Bochum): Wer bin ich? – Transformationen des Ich und Erinnerungen an Entgrenzungserfahrungen: Philosophische Betrachtungen

Sich verändern, sich selbst verlieren und sich wieder finden: was kann das heißen und sind das nicht widersprüchliche Gedanken? Wie kann ich ich selber sein, mich verändern und zugleich dasselbe Ich bleiben? Wie können wir diese Alltagserfahrung verstehen und einordnen? Unsere Erinnerungen sind ein wesentliche Baustein unserer Kontinuität. Was aber geschieht mit dem Ich, wenn unsere Erinnerung an vergangene Ereignisse verschwindet, wie es bei Demenz wiederum regelmäßig zu beobachten ist? Auch ohne Erkrankungen gibt es die Möglichkeit, unsere Ich-bestimmten Erfahrungen in den Hintergrund zu drängen, z.B. durch Meditation, die aber oft jahrelanges Training braucht. Dann jedoch berichten viele Menschen über tiefe Meditationserfahrungen, bei denen alle Ich-Aspekte verschwinden. Wie aber ist es möglich, dass wir uns an eine solche Ich-freie Erfahrung erinnern und diese uns zuordnen? Sie sind herzlich eingeladen, diese Fragen mit dem Vortragenden philosophisch zu durchdenken und ihre Erfahrungen in der Diskussion einzubringen.

Prof. Dr. Albert Newen (*1964) lehrt seit 2007 als Professor für Philosophie mit Schwerpunkt Philosophie des Geistes an der Ruhr-Universität Bochum. Forschungsschwerpunkte liegen in der Neurophilosophie, Erforschung von Erinnerung und menschlichen wie tierlichen Bewusstseins und Selbstbewusstseins. Habilitation an der Universität Bonn mit Theorien des Selbstbewusstseins (2001). Weitere ausgewählte Veröffentlichungen: A. Newen, L. de Bruin, S. Gallagher (Hrsg): The Oxford Handbook of 4E Cognition: embodied, enacted, extended and embedded, Oxford University Press (2018);  A. Newen: Philosophie des Geistes - Eine Einführung, München: C.H.Beck (2013); A. Newen: Analytische Philosophie zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag (2005); A. Newen, K. Vogeley (Hrsg.): Selbst und Gehirn. Menschliches Selbstbewußtsein und seine neurobiologischen Grundlagen, Paderborn: mentis Verlag (2000). 

 

Zur Ausstellung Unselfing

Das Selbst als eine kontinuierliche Erfahrung und abgegrenzte Entität anzunehmen, ist eine Leistung des menschlichen Gehirns und dient gleichzeitig kulturell als wichtige Grundlage für den in westlichen Gesellschaften dominierenden Individualismus. Durch den Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen und technischer Mittel wie sozialer Medien, Künstlicher Intelligenz und Neurowissenschaften, wird diese Annahme herausgefordert. Ein Infragestellen, wie es die irische Philosophin Iris Murdoch (1919-1999) bereits 1971 mit dem Begriff „Unselfing“ (Entselbsten) vorschlägt, kann gerade jetzt eine sowohl künstlerisch als auch persönlich widerständige Position ermöglichen.

Mit neu entwickelten Performances, Installationen und interaktiven Formaten sowie in Videos und Malerei wird in der Ausstellung die Erfahrung der Selbstauflösung erkundet: Möglichkeiten fluider Identitäten, des Absterbens eines Teils des Ichs und der Verwandlung eines anderen sowie Gefühle der Empathie und des Einsseins mit der umgebenden Welt – mit Menschen oder anderen Spezies, der Natur. Von vermischter Autorenschaft, dem sich Auflösen im Kollektiv bis zu körperlich und psychisch entgrenzenden Erfahrungen durch Meditation, Trance, Schmerz oder chemische Substanzen sucht die Ausstellung einen Weg und Zustand der Selbstlateralität, der Empathie und des Glücks zu skizzieren.

mit Arbeiten von: assume vivid astro focus (avaf), Yael Bartana, Cevdet Erek, Ja Jess, Jessy Razafimandimby, David Reiber Otálora, Lillian Schwartz, Yuri Yefanov

Kuratiert von Rebekka Seubert












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