MATT WELCH

Adult Sculptures

23. November 2019 – 9. Februar 2020

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Matt Welch (*1988 in Liverpool, lebt und arbeitet in Frankfurt) realisiert raumumspannende Installationen, die Skulptur, Video sowie Malerei umfassen. Der in England geborene Künstler entwirft und fertigt Objekte, die wie kleine Modelle an Architekturen, Körper oder readymadeartige Gegenstände erinnern. Er setzt sie zum jeweiligen Raum in Bezug, verbindet sie mit Kabeln, Soundelementen oder aktiviert einzelne Elemente mit Hilfe eines elektrischen Mechanismus. Durch eine Motivauswahl, die auf eine soziale Ebene verweist wie beispielsweise auf das Interieur leerer Wohnungen oder Designobjekte, durch das Spiel mit Größenverhältnissen und die Kombination von Objekten unterschiedlicher Herkunft untersucht Welch unsere seit Jahren gegenwärtige Kontrollgesellschaft und Fragen des sozialen Determinismus.

Für seine erste institutionelle Ausstellung Adult Sculptures entwickelte Welch eine Reihe neuer Skulpturen, die den menschlichen Körper und sein Verdauungssystem mit der Fridays-for-Future-Bewegung verbinden. Auf den Bildschirmen der zwei realistisch anmutenden, an der Wand befestigten Laptops sind farbig ausgedruckte Filmstills aus Videos angebracht, die Welch von den vornehmlich jugendlichen Teilnehmer*innen von Klimademonstrationen aufgenommen hat. Diese realen Bilder ragen aus den Bildschirmen heraus und erhalten dadurch eine konkrete Präsenz.

Im Kontrast dazu liegen zwei Skulpturen überdimensionierter Körper auf mehreren PVC-Bodenresten, die einer Zwei-Zimmer Wohnung entstammen. Beide bestehen aus einer Collage aus Kaninchendraht, Papier, Holz und Metall und lassen durch ihre Silhouette sowie die naturgetreu modellierten Hände erahnen, dass es sich hier um Erwachsene handelt. Ihre offen konstruierten Oberköper ermöglichen einen Blick ins Innere. Sie bergen bei der einen Figur eine transparente, blutende Drehtür und bei der anderen einen metallischen Magenmechanismus in sich. Ein über den Boden gelegtes Kabel verbindet beide Körper miteinander und gibt ihnen Energie bzw. setzt sie unter Strom: Eine realistisch anmutende Zigarette glüht und die an Eingangssituationen von Firmen-gebäuden erinnernde Tür dreht sich. Das Kabel lässt beide „funktionieren“, weist aber zugleich auch auf eine Abhängigkeit voneinander hin.  Doch worin genau besteht ihr Verhältnis zueinander? Symbolisiert die sitzende Figur einen Vorgesetzten und die liegende Figur den erkrankten Arbeitnehmer? Wie stehen sie in Verbindung mit den jungen Menschen auf den gedruckten Bildern? Hat sich die ältere Generation nahezu apathisch an das herrschende System angepasst, wohingegen die Jugendlichen noch an eine bessere Zukunft glauben und dafür bereit sind zu kämpfen?

Welch lässt Raum in der Darstellung, um eine Vielzahl an Fragen auszulösen, indem die Körper sowohl zum Schauplatz des individuellen Protests sowie der Gemeinschaft als auch der Machtverhältnisse erscheinen.

KALENDER

MI, 20. NOVEMBER, 18:00 UHR:
WORK IN PROGRESS mit Jannis Marwitz und Matt Welch. Für Mitglieder und Förderer des Kunstvereins.
In englischer und deutscher Sprache.

FR, 22. NOVEMBER, 19:00 UHR:
ERÖFFNUNG

Begrüßung: Prof. Dr. Hartmut H. Holzmüller (Vorstandsmitglied)

Einführung: Oriane Durand (Künstlerische Leiterin)

MI, 27. NOVEMBER, 18:00 UHR:
VORTRAGSREIHE

Topos der Fläche
in Kooperation mit Prof. Tillmann Damrau vom Institut für Kunst und Materielle Kultur der TU Dortmund.
Zu Gast:
Lea von Wintzingerode (Künstlerin, Berlin) über ihre künstlerische Praxis. In deutscher Sprache.

DO, 12. DEZEMBER, 18:00 UHR:
WINTERFEST
mit Präsentation der JAHRESGABEN 2019
von Anne-Lise Coste, Mimosa Echard, Jannis Marwitz, Gijs Milius, Mikołaj Sobczak, Philipp Timischl und Matt Welch.
Mit Ausstellungsführung, Keksen und selbstgemachtem Glühwein.

MI, 16. JANUAR, 18:00 UHR:
ÖFFENTLICHE KURATORINNENFÜHRUNG

MI, 29. JANUAR, 19:00 UHR:
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH
mit Moritz Scheper (Künstlerischer Leiter, Neuer Essener Kunstverein)

 

Die Ausstellung wird gefördert von:

  

 

Matt Welch (*1988 in Liverpool, lives and works in Frankfurt) creates expansive installations that encompass sculpture, video and painting. The English-born artist designs and produces works that appear somewhat like models of architecture or of the human body, while his incorporation of everyday objects can also be reminiscent of readymades. His installations relate to the space that they are in, connected via sound or various electronics, often with electrical mechanisms activating individual elements therein. His artistic motifs incorporate social commentary on topics ranging from the state of housing to the social dimension of design objects. By playing with scale and combining elements of the most diverse kind and provenance, Welch interrogates questions of social determinism or our current control society.

For Adult Sculptures, the artist’s first institutional exhibition, Welch has developed a series of new sculptures that connect the human body and its interior with the Fridays-for-Future movement. Affixed to the screens of two realistically-sculpted, wall-mounted laptops are color printouts of video stills from Welch’s recordings of climate demonstrations. A strange presence is granted via these images of young protestors protruding from the screens.

In contrast, two sculptures of slightly-oversized bodies lie on remnants of PVC flooring taken from a two-room apartment. Both consisting of an assemblage of chicken wire, paper, wood and metal, their silhouette and lifelike hands suggest that these sculptures are depictions of adults. The open construction of their torsos enables a view into the interior. One figure contains a transparent, bloody-looking rotating door; the other, metallic intestines. Wire running across the floor connects the two sculptures and electrifies specific body parts, giving the bodies energy: the rotating door, like that of corporate building entrances, turns, and the realistic-looking cigarette intermittently glows. The electrical cables make both figures “work,” but at the same time also suggests their interdependency. But what exactly is their relationship with each other? Does the seated figure symbolize a heart-diseased superior, and the lying figure their employee? And what is the connection with the young people of the Fridays-for-Future movement? Has the older generation resigned itself to being apathetic, fatalistic observers, while the youth are willing to fight for the better future they still believe in?

Welch leaves a large space for interpretation, prompting manifold questions in relation to individual and collective protest as well as in terms of dependencies and power relations.

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