Nadja Verena Marcin

ACTION MANUAL Vol. I / II

9. November – 22. Dezember 2012

ACTION MANUAL Vol. I / II bringt die auf Performance basierende Arbeit, der in Dorsten und New York lebenden deutschen Künstlerin Nadja Verena Marcin, als erste institutionelle Einzelausstellung nach Deutschland.

Für die Ausstellung ACTION MANUAL Vol. I / II werden in drei Institutionen - Orangerie des Schlosses Rheda in Rheda-Wiedenbrück, Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl und dem Dortmunder Kunstverein - Arbeiten gezeigt, die den Facettenreichtum des Schaffens der Künstlerin sowie den „Aspekt der Handlungsfähigkeit“ darlegen. Damit betont Marcin den Begriff des Handelns an sich und verweist auf die Angst, dem inneren Gefühl, das vor jeder Handlung steht, Glauben zu schenken. In den ausgestellten Arbeiten Marcins realisiert sie Handlungen, die nicht nur scheinbar ir/rationale Aktionen zeigen, sie sollen darüber hinaus Energien freisetzen, die zu einem ursprünglicheren „Sein“ führen. In dieser ursprünglichen Situation hat die Aktion, sprich das Handeln, ein selbstloses und konstruktives Potential – Ratio und Irratio sind in Balance und existieren friedlich nebeneinander. Die Ausstellungen zeigen ein künstlerisches Werk, das durch chronologische Brüche,Tonelemente, durch Maßnahmen von minutiös inszenierten Kurzfilmen bis hin zur stürmischen Guerillaperformance, kontinuierlich Fragen mit Fragen beantwortet.

Im Dortmunder Kunstverein sind in der Ausstellung ACTION MANUAL Vol. I die Arbeiten No Country, 2009, Eve, 2005, Are you lonesome tonight, 2009 und //KIDS//, 2012 zu sehen. Die Fotografien zu Eve gehen von einem frühen Performancemotiv aus - ein Selbstportrait der Künstlerin unbekleidet und verloren auf dem Waldboden ausgestreckt - und trägt provokanterweise einen religiösen Titel. Das semi-politische Statement der mehrteiligen Foto-Arbeit No Country bringt eine ähnlich melancholische Gemütsfassung mit dem Phänomen staatlicher Zugehörigkeit zusammen und verbindet sie mit abstrusen Liebesposen zwischen verschiedenen Nationalitäten. Im Kontrast dazu steht die Videoarbeit Are you lonesome tonight. Ein dynamischer Überfall von Marcin in eine Tagestrinkerbar in Kaunas, in der die vorherrschende Stagnation durch die Revue des Elvis Songs auf witzige Weise exerziert wird. In ihrer neuesten Videoarbeit //KIDS// geht es um eine Gruppe von Jugendlichen, die zwischen der Adaption einer düsteren Subkultur und angepasstem Partyhipstertum im Rhythmus der Global Community changieren. Der in New York und in deutscher Sprache gedrehte Kurzfilm verwendet Referenzen zur Bodyart und bedient sich dabei einer poetischen Metasprache, um die Oberfläche des Kult- und Szenefilms Kids zu perforieren und sich wie eine Second-Hand-Klamotte anzueignen. Installiert wird der Film gemeinsam mit dem skulpturalen Requisit crazy car, das aus Retro Cordstoff für den Film angefertigt wurde sowie Tuscheskizzen, die für das emotionale Interieur des Films entstanden.

In der märchenhaften Orangerie des Schlosses Rheda werden in der Ausstellung ACTION MANUAL Vol. II die Videoarbeiten Singing in the rain, 2008 und Elephant, 2009 gezeigt. Beide Arbeiten funktionieren primär über die Choreographie von Körperlichkeit in einer Art Fluchtsituation.
Während Marcin in Elephant durch den Wald stolziert, treffen sie Einschüsse im Brustbereich. In Singing in the rain tritt sie unter negativen Bedingungen - kein Regen und kein Anzug - zu einer Reinterpretation des beliebten Tanzes an. Das zweideutige Schauspielvon Marcins Singing in the rain kehrt das Vorbild in eine unbehagliche Unterhaltung.Die Requiste des Bambi aus dem Video Elephant sowie der genähte Brustaufbau aus Singing in the rain sind in der Orangerie platziert. Die gemütlichen Räume der Werkstatt Bleichhäusschen zeigen darüber hinaus die Fotografien Spaghetta, 2006 und Homeland, 2006 die sich inhaltlich um bourgeoise Schutzzonen und deren Empfindlichkeiten drehen. Daran schließt sich die Videoarbeit Fall and rise of a fish, die auf einem Fernsehbildschirm gezeigt wird, an. Sie stellt die Ungleichheiten zwischen Mensch und Tier auf die Probe.

Die Performance Reise nach Ägypten basiert auf einer Begebenheit im Jahr 2007, bei der die Künstlerin den Vorschlag ihrer israelischen Freundin Noa D., eine Busfahrt ans Rote Meer in den Sinai alleine zu beschreiten, ablehnt. Die Performance greift das Kinderspiel “Reise nach Jerusalem” auf und benennt es um. Es fungiert als Aufhänger eines Sehnsuchtsmotivs, das durch die aktuelle politische Situation im Sinai in Verruf geraten ist. Die Performance, die an die unterschiedlichen Ausstellungshäuser führt, reflektiert die psychologischen Prozesse von Projektion und Glaube. Die Reise führt von der Stadt Cairo im Naturschutzgebiet der Catskills zu den Beduinen am Fuß des Sinai, von dort aus zu einer Gruppe türkischer Jugendlicher in Westdeutschland und schlussendlich zu einem Schloss mit Prinzessin und Prinzen.

BEGLEITPROGRAMM
Mittwoch, 7. November 2012, 18:00 Uhr
WORK IN PROGRESS
für Förderer und Mitglieder des Dortmunder Kunstvereins. Die Künstlerin steht während des Ausstellungsaufbaus für alle Fragen zur Verfügung.

Freitag, 9. November 2012, 19:00 Uhr
ERÖFFNUNG

Sonntag, 18. November 2012, 10:30 Uhr
PERFORMANCE
«Reise nach Ägypten» - Bustour mit Nadja Marcin und 40 Gästen

Freitag, 23. November, 18:30 Uhr
KÜNSTLERINNENGESPRÄCH
mit Nadja Verena Marcin im Rahmen der offiziellen Eröffnung des vierten Jahrgangs «Kunstkritik & Koratorisches Wissen» der Ruhr-Universität Bochum, mit Simone Rudolph, moderiert von Linda Schröer

Die Ausstellung fand statt in Kooperation mit:

   

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