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ARCHIV / 2009 / Künstlervortrag / Zwischenlandung12: Martijn Schuppers

Am Donnerstag, dem 17. Dezember 2009 um 18:30 Uhr stellt der in Groningen lebende Maler im Dortmunder Kunstverein, Hansastraße 2-4, sein Werk vor. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltet wird der Vortrag im Rahmen der Reihe »Zwischenlandung« von Prof. Jan Kolata, Lehrstuhlinhaber für  Malerei am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der TU Dortmund.

Auf den ersten Blick erinnern die Werke Martijn Schuppers an Fotografien. Das, was wir sehen, ist jedoch eine Folge physischer Kunstgriffe mit Farbe auf einer Fläche, das Resultat bestimmter angewendeter Prozesse. Die Werke sind gleichzeitig Abbildung und abstraktes Bild, im Werden und Wiedergabe dieses Prozesses. Trotzdem bleibt die ursprüngliche Verwirrung ein essenzieller Teil dieser Werke.

1980 konnte Roland Barthes in seinem Buch »Die helle Kammer« die Fotografie als ein Gegenwart und Vergangenheit verbindendes Medium bezeichnen, weil sie das gegenwärtige »hier« und »jetzt« festlegt als ein zukünftiges »c'était comme ça«. Infolge der heute möglichen Computermanipulationen ist der Fotografie ihr unparteiischer und objektiver Blick auf die Wirklichkeit abhanden gekommen. Sie ist eher Synonym für Betrug, Manipulation und Verschönerung. Ihr ehemaliges Ansehen als Kronzeugin in der Beweisführung gibt Schuppers Anlass zur Ironie, indem er den Anschein einer Fotografie mit dem Illusionismus als wesentlichem Bestandteil der Kunstmalerei kombiniert. Das Resultat ist eine rhetorische Verneinung, welche noch nachdrücklicher bestätigt, dass die malerische Wirklichkeit die reelle Wirklichkeit bildet und dass die Illusion nur als ein Wunsch im Kopf der Beobachter existiert.

In der Malerei wird das Begehren, eine spirituelle, höhere Wirklichkeit darzustellen, am meisten verkörpert in der Monochromie. In dieser Hinsicht ist sie das Pendant der fotografischen Bildreproduktion. Was sich als Gegensatz spüren lässt, scheint in Schuppers' Werk aber paradoxerweise vereinigt zu sein. Seine Ausgangslage ist eine monochrome Fläche, welche, wenn trocken, mit einer neuen Farbschicht kontrastierender Leuchtkraft bedeckt wird. Zugefügtes Alkyd beschleunigt das Trocken. Während ungefähr eines Tages entsteht so ein Gemälde, Resultat von immer weniger, nicht mehr Farbe. Sie wird von Chemikalien gelöst oder auch abgeschabt, bearbeitet mit der Luft einer Spritzpistole, gewaschen, den Schwingungen eines Stoßes oder sogar eines Pinselstriches ohne Farbe ausgesetzt.

Bert Jansen

Aus: »Holland - Schweiz 3:2, Zeitgenössische Malerei«, Kunsthalle Palazzo, Liestal