HUNGER

Marcel Hiller, Clémence de la Tour du Pin, Mélanie Matranga, Tobias Spichtig

20. Mai bis 16. Juli 2017

Eröffnung: 19. Mai 2017, 19:00 Uhr

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Sowohl durch unsere digitale Gesellschaft als auch durch Bauspekulationen, wird der Wohnraum als Ort der Sicherheit, Intimität und Beständigkeit in Frage gestellt. In den sozialen Medien verlagern YouTuber ihren privaten Raum in eine mehr oder weniger natürliche Bühne für ihre täglichen Video Posts. Und Dank überall online verfügbarer Fotos, hat jeder Einblick in eine im Grunde intime Welt.

Die Ausstellung Hunger nimmt diese Entwicklungen zum Anlass und konzentriert sich insbesondere auf das Thema des Zerfalls des Interieurs und der Intimität. Als wesentliches körperliches Bedürfnis steht der Begriff Hunger hier als Sinnbild für Mangel und Begehren: Gehäutete Möbelstücke von Mélanie Matranga (*1985 in Marseille, lebt in Paris), besetzte Stühle von Tobias Spichtig (*1982 in Sempach, lebt in Berlin und Zürich), Marcel Hillers in gitterähnliche Regale gepresste Plastikflaschen (*1982 in Potsdam, lebt in Köln) oder Raumteiler von Clémence de la Tour du Pin (*1986 in Frankreich, lebt in Berlin). 

Mal mehr mal weniger abstrakt, spielen diese fetischartigen Arbeiten auf die Ausstattung eines Innenraums an. Ursprünglich bezeichnet Fetischismus die Verehrung von Kultgegenständen. Er wird in Hunger jedoch als Anziehungskraft und Zwangsvorstellung der Projektion von Emotionen auf Oberflächen und Materialien verstanden. Darüber hinaus ist er Ausdruck von Frustration, Ausgrenzung und Verlust. Die Kreation digitaler Parallelwelten des Privatlebens auf Facebook oder anderen sozialen Medien, führt zu einer Gesellschaft, in der das Intime Bestandteil des Öffentlichen wird. In diesem Prozess der Vereinheitlichung wird der Fetischismus zum Widerstand und politischen Vehikel, zu einem Differenzierungsmanöver. In Hunger formuliert sich das Politische in den Oberflächen und den Gegenständen, die über ihren Mangel, ihre Risse bzw. über die auslösende Verwirrung sprechen.

KALENDER

MITTWOCH, 17. MAI, 18:00 UHR:
WORK IN PROGRESS für Mitglieder und Förderer des Dortmunder Kunstvereins. Die KünstlerInnen stehen an diesem Abend für Fragen zur Verfügung.

FREITAG, 19. Mai, 19:00 UHR:
ERÖFFNUNG
Grußworte: Marion Edelhoff (Vorsitzende, Dortmunder Kunstverein), Prof. Dr.-Ing. Hans-Jörg Bullinger (
Kuratoriumsvorsitzender, Wilo-Foundation), Einführung: Oriane Durand (Künstlerische Leiterin)

SONNTAG, 28. MAI, 14:00 UHR:
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG
Kostenlos

MITTWOCH, 31. MAI, 19:00 UHR:
KÜNSTLERGESPRÄCH
mit Marcel Hiller

MITTWOCH, 21. JUNI, 18:00 UHR:
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG
kostenlos

MITTWOCH, 5. JULI, 19:00 UHR:
AUSSTELLUNGSGESPRÄCH und APÉRO CULINAIRE
19:00 Uhr: Gespräch mit Meike Behm (Direktorin Kunsthalle Lingen) und Oriane Durand
Anschließend lädt der Künstler Peter Lütje zu einem kulinarischen Experiment.
Eintritt frei
Verbindliche Anmeldung bis zum 23. Juni HIER

MITTWOCH, 12. JULI, 19:00 UHR:
PERFORMANCE Some gloomy songs for Dortmund
mit Tobias Spichtig (Gesang) und Theresa Patzschke (Begleitung)


Die Ausstellung wird gefördert von :


 
Mit Beteiligung des Bureau des arts plastiques / Institut français , im Rahmen des Ehrengastauftritts Frankreichs bei der Frankfurter Buchmesse 2017.
 

 

Through contemporary phenomena like real estate speculation or an increasingly digitized society, living space has been unsettled in its role as a former place of security, intimacy and stability: social media brings us the example of YouTube content generators, who transform their private homes into public stages. And due to the proliferation of photography online, the intimate has become an integral part of the public sphere.

The idea behind the exhibition Hunger is based on these developments and focuses on the current collapse of the interior, and of intimacy itself. As a central physical need, hunger here turns into a stand-in for deprivation and desire: Skinned furniture by Mélanie Matranga (*1985 in Marseille, lives in Paris), inhabited chairs by Tobias Spichtig (*1982 in Sempach, lives in Berlin and Zürich), plastic bottles squeezed into grate-like shelves by Marcel Hiller (*1982 in Potsdam, lives in Cologne) or room dividers by Clémence de la Tour du Pin (*1986 in France, lives in Berlin). More or less abstractly, these fetish-like works hint towards interior's furnishings.

In its origin, fetishism means the veneration of cult objects. In Hunger, it is understood as attraction and compulsion for the projection of emotions onto surfaces and materials. Moreover, fetishism becomes an expression of frustration, exclusion and loss. The creation of digital parallels to private life on Facebook and other social media creates a world where the intimate becomes a component of the public. Within this process of standardization, fetishism becomes resistance and a political vehicle, turning into a differentiating manoeuvre. In Hunger, the political formulates itself in surfaces and objects that speak of lack, disruption and resultant confusion.

 

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